Warum wir das JEV-Kennzeichen nicht brauchen


Natürlich hat die Überlegung für Jeveraner ihren Reiz. Das „JEV“ am Auto würde sich gut machen, das sagten sie auch den Studentinnen, die in dieser Woche eine Umfrage machten. Viele hätten gern das „JEV“ zurück, am besten noch die Buchstaben „ER“ dazu, und schon kann man seine Heimat durch ganz Deutschland spazieren fahren. So war es bis 1976, dann kam die Kreisreform und mit ihr das „FRI“.


Nun sei zur Ehrenrettung des FRI-Kennzeichens gesagt, dass es keinesfalls das JEV-Zeichen verdrängt hat. Die Situation war ja eine andere, für die von der Kreisreform tief getroffenen Jeveraner eine unerträgliche: Sie „mussten“ damals, wenn sie ein neues Auto anmeldeten, das ungeliebte „WTM“-Schild an ihr Vehikel schrauben. Es war ein symbolischer Akt politischer Wiedergutmachung, dass man den Friesländern im neu zusammengefügten Landkreis diese Schmach ersparte. So kam es zur Kennzeichenreform, die Jeveraner wollten sie.


Die Kreisreform wurde später zurückgenommen, das Kennzeichen blieb. Und lässt nun auch Wangerländer, Schortenser, Sander, Bockhorner, Zeteler und Vareler mit einem identitätsstiftenden Nummernschild durch die Gegend fahren. „FRI“ kann ein Vareler erklären, „JEV“ wäre ihm ein ewiger Dorn im Auge, dass nicht die größte, sondern die kleinste Stadt im Landkreis die Kreisstadt ist.


Wenn jemand Interesse daran haben muss, die Finger vom „JEV“-Kennzeichen zu lassen, dann die Stadt Jever. Sie profitiert ungemein davon, die „Hauptstadt“zu sein und sollte der Eigenbrötelei keinen Raum geben.


Hinzu kommt, dass der 1933 aus den Amtsbezirken Jever und Varel zusammengefügte Landkreis Friesland sich bis heute nicht ganz leicht tut, eine gemeinsame Identität von Nord und Süd zu finden. Das hat viele Gründe. Man muss keinen weiteren hinzufügen, indem man sich auf Kennzeichen Spielereien einlässt.


Helmut Burlager, 30. September 2011


Zurück zum Blog