Wir Griechen

Was zeigen wir im Moment gern mit dem Finger auf die Griechen, von denen gefühlte 60 Prozent im Staatsdienst sind und die anderen 40 Prozent in Rente. Und wenn sie nicht gerade streiken, sitzen sie in den Cafés und schimpfen über den Staat und über Europa. In Deutschland ist alles ganz anders, da arbeiten alle fleißig, sind bescheiden und meckern nicht.

Selbst ein Ministerpräsident verdient hier so schlecht, dass er sich Geld von Freunden leihen muss. Wahlbeamten in Deutschland geht es offenbar derart miserabel, dass in diesen Tagen ernsthaft erwogen wird, ihnen die Pensionen deutlich zu erhöhen, damit sie nicht am Hungertuche nagen müssen wie Hans Eichel.

Es ist ein Elend, da kann man schon verstehen, dass der eine oder andere mit Ende fünfzig keine Lust mehr hat und lieber von den kargen Altersbezügen lebt.

Die Bürokratie aber funktioniert. Das merkte man in dieser Woche, als es um die Frage ging, ob private Kinderkrippen in den Kindergartenbedarfsplan der Stadt Jever aufgenommen werden dürfen. Wie es sich in einer ordentlichen Verwaltung gehört, wird zunächst die Zuständigkeit geklärt. Und so befand die Stadt Jever, dass der Landkreis zuständig sei, und der Kreis entschied, dass die Stadt entscheiden müsse. Das ging ein paar Mal so hin und her, bis die Betroffenen entnervt einen Gutachter einschalteten und  mit Klage drohten. Prompt erklärten sowohl der Kreis als auch die Stadt, dass die Bürger zwar Recht hätten, das habe man ja gleich gesagt – aber zuständig seien trotzdem die anderen. So souverän hätte das bestimmt keine griechische Behörde geklärt.

Helmut Burlager / 16. Dezember 2012

Zurück zum Blog: 19 Uhr 30