Das Wochenblatt, die Anchorage News, die Löwen und die Bären

Zeitungsjournalisten können nicht anders. Sind sie im Urlaub, kaufen sie Zeitungen, egal ob sie die Sprache verstehen oder nicht. Wie machen die Kollegen von anderen Blättern es, wie gestalten sie die Seiten, wie gehen sie mit Themen um, wie sieht's mit der Berufsethik aus? Und natürlich bringen sie die Zeitungen mit nach Hause, um sie den Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion vorzustellen. Und beruhigt stellt man immer wieder fest: Es wird überall nur mit Wasser gekocht.

Und die Themen gleichen sich auch auf der ganzen Welt. Als Lokaljournalist hat man eben nicht jeden Tag die große Sensation. Und wenn man sie zu haben glaubt, merkt man schnell, dass es so etwas woanders auch gibt oder schon mal gegeben hat.

Da kam also der junge Kollege aus der Sportredaktion, unser Volontär Kevin Ritter, vor ein paar Tagen von einer Reise in die nordamerikanische Wildnis zurück. In Alaska war er gewesen, hatte in den Wäldern kampiert, über die Natur gestaunt, die Stille genossen, Bären gesehen. Und brachte eine Zeitung mit, die eben einen solchen Bären auf der Titelseite hatte. Ein Tier, das mit einer Spritze ruhig gestellt, von einem Gabelstapler in sein Gehege transportiert wurde. 

Ein außergewöhnliches Bild, wie der Journalist dachte.  Bis er nach Hause kam und die Zeitungen der vergangenen Tage durchblätterte. 
Er traute seinen Augen nicht, als er auf der Titelseite des Jeverschen Wochenblatts, mit nur einem Tag Zeitdifferenz, folgendes Bild sah: Eine Löwin, mit einer Spritze ruhig gestellt, von einem Gabelstapler in ihr neues Gehege transportiert. So klein ist die Welt, kennst du Friesland, kennst du Alaska. Warum nach Anchorage reisen, wenn in Jaderberg das Gleiche passiert?

Einen klitzekleinen Unterschied gibt es. Während in Alaska die meisten Bären frei herumstreifen, sind bei uns die Löwen in aller Regel wohl verwahrt nur hinter Gittern zu betrachten. Ausnahmen bestätigen die Regel - und werden in der Zeitung dokumentiert.
In Kanada genauso wie bei uns.

Helmut Burlager / 14. September 2011

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