ARTIKELARCHIV
Quelle: Jeversches Wochenblatt, Rubrik: Aktuell, Ausgabe vom 10.03.2010
| Stärken der Zeitung herausgearbeitet |
| Leserbeirat: Ein dreiviertel Jahr nach dem Bewerbungsstart hat das Gremium eine Menge geleistet |
Jever – Gearbeitet wurde im Stillen, doch das Projekt „Leserbeirat“ hat mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen als Verlag und Redaktion des Jeverschen Wochenblatts erwartet hatten. Vor allem Journalisten von anderen Zeitungen interessierten sich für die Erfahrungen mit dem Gremium. Manche, weil sie ähnliches planten. Manche, weil sie ein solches Forum für unsinnig, ja gar für gefährlich für die Unabhängigkeit einer Redaktion hielten. Ein dreiviertel Jahr nach dem Aufruf an die Leser, sich für den Leserbeirat zu bewerben, lässt sich von durchweg positiven Erfahrungen berichten. Fünf Mal hat der Leserbeirat, der im Sommer 2009 seine Arbeit aufgenommen hatte, inzwischen getagt. Teils im Plenum, teils in Arbeitsgruppen, die sich mit einzelnen Themenkomplexen intensiver befassten. So unterschiedlich wie die Motive derjenigen, die sich als Mitglieder im Leserbeirat beworben hatten, so verschieden auch die Themen, die seit der ersten Zusammenkunft angesprochen, diskutiert und im kleineren Kreis vertieft wurden.
Sylvia Offermanns-Ohnesorge etwa, um ein Beispiel zu nennen, ist es von Anfang an darum gegangen, der Lesermeinung im Jeverschen Wochenblatt mehr Raum zu geben. Sie erfahre in ihrer Tätigkeit als Heilpraktikerin von den Patienten so viele Dinge, die die Menschen bewegten, und die in der Zeitung gar nicht oder jedenfalls nicht aus der Perspektive des „einfachen“ Bürgers dargestellt würden, schrieb sie. Die Stärke der Lokalzeitung aber liege doch darin, den Leuten hier ein Forum zu geben für das, was sie denken und fühlen.
Die Leserbeirätin ging mit gutem Beispiel voran und nahm selbst zu verschiedenen Themen Stellung. Die Redaktion bemühte sich, Leserbriefe fortan möglichst zeitnah abzudrucken. Im Ergebnis stieg die Zahl der Leserzuschriften und der Veröffentlichungen, die Diskussion wurde lebendiger. Geplant ist, Leserinnen und Leser häufiger aufzufordern, ihre Meinung zu bestimmten Themen mitzuteilen, und der Leserdebatte insgesamt noch mehr Raum zu geben.
Ganz anders der Ansatz bei Mareike Spiess-Hohnholz. Die Jeveranerin und Ex-Spiegel-Redakteurin hat sich vor allem mit der Frage beschäftigt, ob die Journalistinnen und Journalisten des Jeverschen Wochenblatts eigentlich die Themen finden, die die Leser wirklich interessieren, und ob Naheliegendes einfach übersehen wurde. Gerne, so zeigte sich in den Diskussionen, würden Leser noch mehr über Menschen in der Region erfahren. Die lokale Politik sollte transparenter gemacht werden – ganz aktuell zum Beispiel die Frage, wie es ohne jegliche Bürgerbeteiligung und öffentliche Diskussion zu einem Beschluss kommen konnte, in Jever einen Skulpturenrundgang zu schaffen, gegen den es in der Bevölkerung durchaus Vorbehalte gibt. Schließlich die Aufforderung, die großen nationalen Themen wie „Hartz IV“ oder „Milchpreisverfall“ am lokalen Einzelbeispiel anschaulicher zu machen.
Um ein weiteres Beispiel für Anstöße aus dem Leserbeirat zu nennen: Ursula Otten, pensionierte Lehrerin, brachte zusammen mit anderen die Idee ein, ähnlich dem erfolgreichen „Kinderblatt“ eine Seniorenbeilage speziell für die Generation 60 plus zu konzipieren. Eine Arbeitsgruppe zum Thema „Jung und Alt“ machte sich an die Arbeit und gab, ähnlich wie die Arbeitskreise zu den Themen „Inhalte“ und „Leserbeteiligung“, eine Menge Anregungen nicht nur für eine Berichterstattung, die die Bedürfnisse der älteren Leserschaft im Blick hat, sondern auch für „junge“ Themen.
Die Treffen des Leserbeirats dienten aber auch dazu, den Mitgliedern die Arbeit der Redaktion und die Bedingungen, unter denen sie stattfindet, anschaulich zu machen. Viele Fragen wurden beantwortet, viel über Abläufe, Inhalte und Ausrichtung der Zeitung diskutiert, wobei die Leserbeiräte durchaus nicht immer mit allem einverstanden waren, was das Blatt tagtäglich bietet. Dafür gaben sie viele Hinweise, wie sich die Stärken der Lokalzeitung noch mehr herausarbeiten ließen. Ganz im Sinne des vor knapp einem Jahr erfolgten Aufrufs: „Machen Sie Ihre Zeitung besser.“ Im April findet das sechste Treffen des Leserbeirats statt. |
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